Renovierung St. Georg Großenlüder

Interview mit dem Architekten der Kirchensanierung Stephan Mölig, Architekt neuraum

Fragen von Christoph Völlinger, Verwaltungsrat, und Ursula Völlinger, Pfarrgemeinderat


Hallo Herr Mölig!


Sie haben die Architektenleistungen zu unserem Projekt „Sanierung der Kirche St. Georg“ vor etwa 2 Jahren übernommen. Wie geht es Ihnen mit unserem Projekt und unserem Bauherrn, vertreten durch den Bauausschuss?

Als erstes möchte ich ein riesiges Lob an die Helfer/innen richten, die ein wahnsinniges Engagement an Eigenleistung investieren und deren Lob während der Bauphase viel zu kurz kommt.


Generell empfinde ich das große Engagement der Mitglieder der Pfarrgemeinde Großenlüder als sehr außergewöhnlich. Das fängt bei den vielen Spenden an, geht über das persönliche Engagement von Bauausschuss und Pfarrer bis zu unserem Großenlüderer Projektleiter Christian Diegelmann. Bei allen Diskussionen steht immer ein herzlicher, respektvoller und kreativer Umgang im Mittelpunkt, was ich sehr schätze und wofür ich mich auch bedanken möchte.

Ebenfalls geht auch ein dickes Lob an den Denkmalschutz, die Fachplaner und an das Bistum Fulda. Hier gilt es vor allem Frau Schlegel zu erwähnen, die das Projekt von Seiten des Bistums begleitet und sehr kreativ und routiniert betreut.


Es ist ja die derzeit größte Baustelle in der Diözese. Wie läuft denn die Realisierung?

Die Sanierung einer Kirche ist immer eine herausfordernde und anspruchsvolle Aufgabe, der wir mit viel Respekt begegnen. Nachdem wir erst nach Abschluss des Entwurfsprozess in das Projekt eingestiegen sind, mussten wir uns erst mal in die Historie einarbeiten und uns mit den bis dahin herausgearbeiteten Schwerpunkten vertraut machen.


Zu Beginn der Maßnahme ging es erst einmal darum, die Schadensursache der Kreuzgewölbe herauszufinden, um dann die richtigen Sanierungsschritte einzuleiten. Es hat sich gezeigt, dass es sich dabei um einen alten bauzeitlichen Schaden handelt, der bereits beim Bau der Kirche durch Wassereintritt verursacht wurde. Die Schäden sind alle behoben, die Stuckelemente wieder angebracht und beigespachtelt. Weiterhin sind die Elektrotechnik und die Wandheizung eingebaut und die Kirchenwände sind mit einem neuen Kalkputz versehen worden.


Als nächster großer Meilenstein wird Mitte August das Raumgerüst aus dem Inneren der Kirche abgebaut, um danach die Fußbodenheizung und den Estrich einzubringen. Das Bauvorhaben befindet sich im Zeitplan und wird voraussichtlich Anfang Dezember fertig werden. Sicherlich gibt es noch das ein oder andere zu tun, aber die Hauptarbeiten müssten beendet sein.


Was gefällt Ihnen besonders an unserer Kirche und an dem, was inzwischen miteinander abgestimmt und erarbeitet wurde- und wo/was hätten Sie sich noch mehr gewünscht?

Bei der Kirche in Großenlüder handelt es sich um eines der größten und sehenswertesten Gotteshäuser im Fuldaer Land. Wir haben im Gestaltungskonzept versucht, verschiedene Schwerpunkte zu setzen. Einerseits wollten wir den historischen Ursprung der Kirche wieder entdecken, zum anderen den Kirchenbau an den heutigen und zukünftigen Anforderungen ausrichten. Ein paar Gestaltungsschwerpunkte und wie wir dahin gekommen sind, möchte ich hier kurz beschreiben.


Durch die Raumhöhe und das Kreuzgewölbe entsteht ein saalartiger Raum, der alleine durch seine Höhe schon sehr beeindruckend wirkt. Das große Volumen war auch Anlass dafür, das Heizkonzept noch einmal zu überprüfen. Während dieses Prozesses wurde auch die jetzige und zukünftige Kirchennutzung diskutiert. Was wiederum dazu führte, den Fußbodenbelag zu entfernen, um eine Fußbodenheizung zu installieren. Das jetzt gewählte Heizkonzept mit Fußboden- und Wandheizung ist für eine Kirche sehr innovativ und lässt durch die angenehme Strahlungswärme zukünftig eine flexible Nutzung der Kirche zu.


Die Farbgestaltung der Kirche wurde intensiv diskutiert. Bei der Entscheidung hat die Untersuchung der historischen Farbschichten gezeigt, dass die Kirche in ihrer ursprünglichen Farbfassung monochrom gestrichen war. Das heißt, es wurde auf Vielfarbigkeit oder farbige Akzente verzichtet. Um eine Szenografie des Lichtes und des Raums zu bekommen, haben wir uns für die ursprüngliche weiße Farbfassung entschieden. Der Lichteinfall, der durch die hohen Kirchenfenster in den Raum eindringt, und die weiße Raumschale vervollständigen den hallenartigen Raumeindruck. Bei Dunkelheit werden das Kreuzgewölbe der Decke und die Gewölbe der Fenster durch direktes Licht angestrahlt. Durch den Schattenwurf der Voluten und Gesimse wird die architektonische Gliederung der Decke verstärkt und prägt den Kirchenraum.


Am Boden des Mittelschiffes soll als ordnendes und führendes Element eine geradlinige und dezente Fliesenfuge verlaufen. Durch diese Fuge wird der Besucher unaufdringlich und subtil vom Haupteingang bis zum Altar geleitet.


Um den Raumeindruck und die zukünftige Nutzung der Kirche so wenig wie möglich zu beeinflussen, haben wir im Bauausschuss auch schon die reduzierte Ausstattung der Kirche diskutiert. Hierbei bin ich ein Befürworter der Variante, mit einer möglichst reduzierten Ausstattung zu beginnen. Vorteil wäre, dass man viel Interpretationsspielraum lässt, damit zukünftige Generationen den Kirchenraum für sich entdecken und nutzbar machen können.


Wie sehen Sie die Zukunft der Kirchennutzung? Wo sollte sich die Kirche weiter öffnen und der jungen Generation mehr Identifikationsmöglichkeit einräumen?

Für mich ist der Bau- und Gestaltungsprozess ähnlich wie die zukünftige Nutzung der Kirche: Es darf sich entwickeln. In dem Moment, wenn die Kirche wieder für die Gemeinde nutzbar wird, wird sichtbar, welche Wege wir gefunden haben und welche Kompromisse ausgehandelt wurden. Da ist einerseits die Freude am gemeinsam Erreichten und andererseits an der Feststellung, dass wir unsere Probleme lösen können und mit positivem Denken die Welt verändern können.


Eine Kirche ist ein Versammlungshaus, dem eine besondere Würde zukommt. Die neue räumliche Gestaltung lässt zukünftig viel Spielraum, die Kirche zu nutzen und sich als Gemeinde zu entwickeln. Erst wenn wir Ballast der Vergangenheit loslassen, entsteht Raum für Zukünftiges.


Die Gemeinde hat sich mit der Sanierung auf den Weg gemacht, das Kirchengebäude in die Zukunft zu führen. Ab Dezember darf sich die Gemeinde auf den Weg machen, die Potentiale der neuen Gestaltung zu entdecken und zu nutzen. Auf diesen Moment freue ich mich und bin gespannt, wo der Weg hinführt.

Katholische Pfarrgemeinde 
St. Georg Großenlüder


Herrengasse 6
36137 Großenlüder

 




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Fax: (0 66 48) 84 73 o. 91 95 46 

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© St. Georg, Großenlüder

 

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